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Das mallorquinische Ei des Kolumbus

Christoph Kolumbus – Seefahrer, Amerika-Entdecker und somit einer der Hauptverantwortlichen des Vietnamkriegs, des 11. Septembers und der Ausbreitung von Fast Food, AIDS und Microsoft – ist Mallorquiner, das wissen wir alle. Nun soll diese Offensichtlichkeit mit einer gentechnologischen Studie untermauert werden. Zwar betonen die zuständigen Forscher (eine Gruppe universitärer Leichensezierer aus Granada), sie müssten erst mal rausfinden, ob Kolumbus wirklich Kolumbus sei, denn da gebe es neben dem Grab in Sevilla noch eines in der Dominikanischen Republik, und dann erst könne es darum gehen, seine Herkunft zu ermitteln, und nicht primär darum, seine Mallorquinität zu bestätigen, aber sei’s drum: Bei einem Besuch des Projektchefs bei Inselratspräsidentin M. A. Munar, die ja schon mal den König darüber aufgeklärt hat, dass das Kolumbus-Ei auf Juan Carlos’ liebster Ferieninsel ausgebrütet wurde, kam eine ganz neue Forschungsstrategie ins Gespräch: Stellt sich raus, dass der sevillanische Kolumbus nicht aus Mallorca stammt, kann’s gar nicht Kolumbus sein und die Granadiner müssen in der Domrep weiterbuddeln, wo Grabbeigaben – fossilierte Sobrassadas, ein von Tierchen leergefressener Ensaimadakarton und eventuell eine Bottle Joahnnisbrotlikör mit Ablaufdatum Juni 1493 – die mallorquinische Herkunft des epochalen Kontinent-Aufstöberers ganz ohne ADN-Geblödel belegen.

Sollten die Weißkittel aus Granada eine andere Vorgangsweise im Sinn haben, müsste der Inselrat seine finanzielle Unterstützung überdenken.

 

Mallorca Zeitung 2003