Die Homobombe

Vor kurzem wurden ich von der Nachricht auf- und durchgerüttelt, die Amerikaner hätten allen Ernstes erwogen, eine chemische Waffe zu entwickeln, die bei Feinden zu Homosexualität führe und damit schwäche. Das ist nicht nur komisch, sondern auch vertrottelt. Abgesehen davon, dass das Projekt schon im Anfangsstadium erschlaffte, legt die Episode nämlich eine akute Allergie gegen Geschichtsbücher nahe. Andernfalls wäre den Amerikanern bekannt, dass die Durchschlagskraft der legendärsten Armee des Altertums, nämlich jener von Sparta, unter anderem auf der weit verbreiteten Homosexualität ihrer Krieger beruhte. Das klassische Griechenland war ja in dieser Hinsicht weit freizügiger als so manche vorgeblich moderne Gesellschaft. Und die Spartaner machten sich die handfesten Romanzen, die sich vorwiegend zwischen älteren Veteranen und ihren Schülern abspielten, zunutze, indem sie die von Sparta erfundene und als “Phalanx” bekannte Kampfformation systematisch mit Liebespaaren bestückten. Die Wirkung auf die Kampfmoral soll enorm gewesen sein, denn vor dem Geliebten wollte niemand als Schwächling dastehen.

Somit ist möglich, dass die “H-Bombe”, wäre sie je entwickelt worden, bei den Feinden keinen kreischenden Tuntenauflauf, sondern im Gegenteil erhöhte Kampfkraft bewirkt hätte. Allerdings scheinen US-Militärs auch ohne psychochemische Wunderwaffen, die nach hinten losgehen, das Talent zu besitzen, massenhaft fanatische Guerilleros zu produzieren.

 

Mallorca Zeitung 2005