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Diese Krone steht uns gut

Einmal mehr schlitterte ich in ein Streitgespräch, in dem mich ein moderner Demokrat in die Rolle des alten Konservativen drängte. Das passiert mir in letzter Zeit öfter. Ich hoffe, dass der Grund dafür meine Lust am Widerspruch ist und nicht ein versehentlich ererbtes Blut-und-Heimat-Gen.

Soweit ich mich erinnern kann (es war ein Rotweingespräch …) fand ich es widersprüchlich, dass wir 300 Millionen Dollar ausgeben, um ein zweistündiges Leinwandgemurkse zwischen Trojanern und Griechen zu erleben (demnächst in Ihrem Kino), aber meckern, wenn eine ähnliche Summe dafür ausgelegt wird, damit die halbe Welt sieht, wie zwei Personen, die politische und für viele auch menschliche Symbole darstellen, einander ewige Liebe schwören. Madrid, Spanien, die Welt hatten zur Abwechslung mal ein positives kollektives Erlebnis nötig. Warum sind ausgerechnet aus königslosen Ländern die meisten Berichterstatter angereist?

Als Werbemensch rechnete ich dann vor, welche Umwegrentabilitäten eine solche Märchenhochzeit für Spaniens Image mit sich bringe, und denk mal darüber nach, lallte ich (der Rotwein …), warum Weltmetropolen so scharf darauf sind, milliardenteure Olympische Spiele auszurichten: “Jawoll, du Nockabazl, das Imidsch!”

Aber ob es gut sei, wenn ein nicht demokratisch gewählter Fastzweimeter-Lackl in einem Staat so wichtig sei? Das werden wir bei der nächsten Staatskrise sehen, erwiderte ich und prostete. Bei der letzten war der Papi sein Gewicht in Gold wert. Viva el Rey!

 

Mallorca Zeitung 2004