Home > Kolumnenkiste > Ein Dankeschön an König Fahd

Ein Dankeschön an König Fahd

Ich bin dem saudi-arabischen König Fahd dankbar. Die jede Vorstellungskraft übersteigende Zurschaustellung von Reichtum während seines Marbella-Aufenthalts belegt einmal mehr, dass die muslimische Welt über ausreichende Mittel verfügt, um ihre Probleme selbst zu lösen. Dass dies nicht geschieht, kann nicht auch noch unsere Schuld sein.

Es ist schon kurios: Die einen kommen mit dem privaten Jumbo Jet, die anderen überqueren die Meerenge in winzigen Booten; die einen zücken goldene Kreditkarten, die anderen werfen, was sie an Karten so dabeihaben, vor der Ankunft weg. Sie alle gehören einem Kulturkreis an, der sich als Gemeinschaft für moralisch überlegen hält – dem muslimischen. Dabei halten sie nur dann in Treue fest zusammen, wenn Zoff mit Israel ansteht oder Ungläubige heiligen Boden besudeln. Geht es hingegen um die Behandlung einer schweren Krankheit, um eine erstklassige Ausbildung, um Flucht vor materieller Misere oder vor politischer Verfolgung, schlagen Gottes wahre Diener die Diretissima Richtung Westen ein.

Ist schon in Ordnung, wenn der Westen weiterhin über seine Fehler nachgrübelt und über seinen Anteil am oft geleugneten, doch unleugbaren Clash der Zivilisationen. Aber warum richten unsere Bürgerrechtler ihre sonst leicht zu entfesselnden Protest- und Boykottaktionen so auffallend selten gegen arabische Diktaturen? “Weil die halt so sind”? Das wäre ja wohl Rassismus …

 

Mallorca Zeitung 2002