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Gibt es ein Leben ohne Klimaanlage?

Auch ich habe eine, nämlich im Auto, gekauft im Affekt nach einem Augusttag, als meine Familie und ich zur Mittagszeit zwei Stunden in einem Baustellenstau standen und dabei so aufgeheizt wurden, dass das Wasser zischte, als wir endlich ins Meer springen konnten.

Nach Terminen in eisgekühlten Büros hingegen verzichte ich gern mal auf das Knöpfchen mit dem blauen Kristall, weil mir die fünfzig Grad im Auto helfen, meine Frostbeulen zu kurieren. Seien wir ehrlich: Das mit dem Triumpf der Technik über die Natur kann man auch übertreiben.

Zu Hause übernehmen dicke Mauern und ein ausgeklügeltes Fenster-auf-Fenster-zu-System die Klimatisierung, aber das ist eine aussterbende Methode. Mittlerweile wachsen aus allen Gebäuden energiefressende Kühlkästen. Wie haben es die Menschen früher ohne Klimaanlagen ausgehalten? Werfen wir einen Blick auf alternative Lösungen. Die Beduinenzelte in Dubai haben Öffnungen im Dach, die jeden Windhauch abfangen und senkrecht ins Innere leiten, wo die Wüstensöhne im Hauchkegel sitzen und lächeln und fächeln. Die Westsaharawis sitzen in punschkrapfenförmigen Lehmbauten, deren Material gratis klimatisiert (der balearische Marés kann das angeblich auch) und der Künstler César Manrique verkroch sich in einer Höhle auf Lanzarote.

Manchmal denke ich, in Höhlen wird es enden, wenn wir so weitermachen, aber die bieten wenigstens angenehm kühle Temperaturen.

 

Mallorca Zeitung 2002