Inselwinseln

Das Jammern nach “steuerlicher Berücksichtigung der Insularität der Balearen” geht mir auf die Nerven. Niemand hat mir je erklärt, warum es ein grausamer Nachteil ist, auf den Balearen zu leben. Hauptargument der Inselwinsler sind die “Erschwernisse im Waren- und Personenverkehr”. Der Transport von Waren käme teurer, Inselfirmen wären somit beim Verkauf, Inselkonsumenten beim Kauf benachteiligt, zudem seien Insulaner auf Schiff oder Flugzeug angewiesen, wenn sie aufs Festland müssten.

Mag sein. Aber wenn das Inselleben ein derartiges Elend ist, warum werden die Balearen dann von Zuzüglern überrannt? Und es ziehen ja nicht nur Millionäre her. Vielleicht sollten die Inselwinsler leiser treten, sonst blechen wir am Ende mehr statt weniger. Denn man könnte das Argument auch umdrehen: Keine Region hat mehr Küste als eine Insel, und für die Balearen ist Küste zugleich von Mutter Natur gratis bereitsgestelltes Wirtschaftskapital, nämlich für die Wirtschaftsmotoren Tourismus und Immobilien. Festlandbewohner müssen oft hunderte Kilometer fahren, bis sie an eine Küste kommen. Wie wär’s also mit einer steuerlichen Begünstigung wegen Nicht-Insularität?

Dann könnten Bergbewohner auch eine Steilheitszulage und Stadtbewohner eine Verkehrsstau-Entschädigung einfordern. Und ich hätte gerne Schmerzensgeld für all den populistischen Quatsch, den ich zu lesen und zu hören kriege.

 

Mallorca Zeitung 2002