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Kein Klima für den Klimawandel

Es zeugt ja von Aufrichtigkeit, wenn man den drohenden Klimawandel ohne Rücksicht auf die meteorologische Tagesaktualität abhandelt, aber will man das Volk mobilisieren, sollte man die Öffentlichkeitsarbeit nicht mit übertriebener Ehrlichkeit sabotieren. Lernt von Politikern! Ein bisschen Psychologie, ein Milligramm Marketing, eine Spur Manipulation tun not!

Zur Erinnerung: Als sich zum letzten Mal Meteorologen auf Mallorca trafen, um warnende Chöre betreffs künftiger Trockenperioden anzustimmen, schüttete es tagelang derart, dass mallorcaweit Motorradpolizisten Moos ansetzten und sonnenhungrige Touristen mit Depressionssymptomen durch überdachte Vergnügungszentren schlurften. Nun haben 400 Wissenschaftler eine Studie präsentiert, in der u.a. steht, dass es auf den Balearen im laufenden Jahrhundert um zwei bis drei Grad heißer wird, und ich höre rundherum zwischen Zähneklappern, Bibbern und Schlottern nur einen Kommentar: Hoffentlich braucht das nicht so lange!

Ob es von 400 Kapazundern, die das Wetter des Jahres 2060 vorhersagen können, zuviel verlangt ist, ihre Katastrophenoper für eine Woche zu programmieren, deren Wetter mit den Prognosen wenn schon nicht ideal harmonisiert, dann doch zumindest nicht total im Clinch liegt? Aber ich sehe es kommen: Bleibt das Backofensyndrom aus, wird es heißen, die Erdachse sei um ein Tausendstelgrad gekippt oder ein hundertjähriger Sonnenrülpser zu Ende gegangen. Ich mache jedenfalls meinen Ofen noch nicht zu Kohle.

 

Mallorca Zeitung 2005