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Marokko braucht dringend Hilfe

Ich träum doch. Da hält Marokko mit der Westsahara ein Territorium von der Größe Deutschlands besetzt und blockiert trotz aller UN-Resolutionen seit mehr als zehn Jahren eine bereits ausgehandelte Volksabstimmung über die politische Zukunft des Gebiets, da vegetieren seit Jahrzehnten rund hunderttausend Sahrawis in der algerischen Wüste und warten darauf, dass die Weltpolitik sich für ihr Schicksal interessiert, und darauf, dass auch mal die Besatzungsmacht Marokko in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit gerät, nicht immer nur Israel, obwohl die Sahrawis anders als die Palästinenser keine Kinder ins Gefecht schicken und nicht haufenweise Unschuldige massakrieren, doch umsonst. Die Warnsirenen Europas heulen erst los, als dreieinhalb marokkanische Gendarmen ein unbewohntes, zu Spanien gehörendes Inselchen namens Petersilie erklimmen und dort ein bewaffnetes Picknick abhalten.

Marokko kitzelt unseren Kontinent seit geraumer Zeit am Gehänge und probiert, was so alles geht mit uns Deppen, die darüber hinwegsehen, dass derselbe von Allah persönlich zum Staatschef bestimmte junge Mann, der von uns mehr Geld und Wirtschaftshilfe fordert, einen teureren Lebensstil pflegt als Juan Carlos I und Gerd Schröder zusammengenommen.

Aber vielleicht schärft die Invasion von Petersilien den Blick der 0,7 Prozent-Naivlinge. Im Prinzip haben sie freilich recht: Marokko muss dringendst geholfen werden.

 

Mallorca Zeitung 2002