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Mediterrane Bauchschmerzen

Jetzt haben wir den Salat, und er nennt sich Globalisierung. Das Mittelmeer, wo die gesündeste Ernährung der Welt erfunden wurde, bleibt nicht verschont, und die Folgen sind skurril: Während im Geburtsland des Bic Mäc die Verkaufszahlen für gesundes Olivenöl explodieren, feiert von Gibraltar bis zum Piräus die US-Fress-Philosophie ihren Siegeszug. Logo, die Zeiten ändern sich. Der globalisierte Spanier kauft mehr Tiefkühlgerichte, weil man ihm die dreistündige Mittagspause wegglobalisiert hat, und der globalisierte Italiener findet den Weg nur noch sonntags zur Pasta der total antiglobalen Mamma. In Algerien schlemmt man noch Couscous, dafür steht eine Zweiliter-Flasche Fanta auf dem Tisch. Lediglich in Israel und seinen Feindstaaten verweigern sich religiöse Fundamentalisten dem lukullischen Speed-Prinzip.

Auch im Supermarkt is nix mit mediterran. Fertigsaucen, Fertigsnacks und Fertigsuppen befreien vom Joch des Zwiebelschneidens, wer könnte da widerstehen? Das Schlüsselwort ist “vorgefertigt”. Der Zeitgewinn wird denn auch in den Konsum vorgefertigter Unterhaltung investiert. Oder in Computerchats, um mit Kumpels aus Übersee den Verlust an Lebensqualität zu diskutieren.

Unterdessen entdecken amerikanische Wissenschaftler – also Eierköpfe aus genau dem Land, das uns die Fastfoodphilosophie eingebrockt hat – die mediterrane Esskultur als Quell von Gesundheit und Lebensglück und dozieren: Wir müssen  wieder lernen, uns die Zeit zur Zubereitung unserer Speisen zu nehmen. Das sei nämlich auch psychisch gesund. Mein Tipp: Die mediterrane Ernährung kommt wieder. Und zwar als neuer Trend aus den USA.

 

Mallorca Zeitung 2003