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Möbeldrama auf dem Parkplatz

Es gibt wohl nichts Fieseres als die Belustigung am Leid der Mitmenschen. Andererseits kann das echt Spaß machen, deshalb suche ich mir in einem Möbelhausrestaurant in Palma stets einen Fensterplatz, um keines der Parkplatz-Dramen zu versäumen, die nach dem Muster ablaufen: “Habe Möbel gekauft, als hätte ich einen Voyager, da steht aber nur ein Ford K.”

Mein geschultes Auge verfolgt Kunden mit besonders großen Möbelpaketen auf dem Wägelchen, die es besonders eilig haben (Impulskauf). Bald macht die Dynamik einem nachdenklicheren Tempo Platz. Aha, ihm/ihr wird plötzlich bewusst, dass man die Größe des Fahrzeug auch noch hätte bedenken sollen. Es folgt das Umschleichen des Autos mit eindringlichem Blick, als wäre damit je das Innenvolumen eines Fahrzeugs expandiert. Die Türen werden aufgerissen. Sitze umgeklappt. Das Paket mit dem zerlegten Wandschrank hochkant, querkant, diagonal hineinbugsiert. Das Auto wird neuerlich umrundet. Die Gesetze der Physik werden neu definiert. Dann die Erkenntnis: Eher passt das Auto in den Schrank als umgekehrt. Neuer Anlauf mit abenteuerlichen Lösungen. Nase an der Windschutzscheibe, Wandschrankkante am Hinterkopf. Tränen steigen in die Augen. Neidvolle Blicke auf Voyager-Besitzer, die sich einen Satz Kerzen gekauft haben.

Und oben im Resto sitzt der Schreiber dieser Zeilen und lacht und lacht. Dann muss er los, ein Möbelstück abholen. Zufällig auch einen Wandschrank. Oh, Mist …

 

Mallorca Zeitung 2002