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Öko, Ego oder was?

Widersprüchlich ist es schon, wenn man ein paar Liter Benzin verbrennt, um einen weit entfernten Bio-Laden aufzusuchen. Ein Idealist hat es heutzutage schwer. Gerne würde er die Welt unbeschädigt an seine Nachkommen weitergeben und wird dabei oft genug von Menschen belächelt, zuweilen sogar bekämpft, deren politische Überzeugung aus ich weiß nicht welchem Grund “konservativ” heißt, ein Wort, das von “bewahren” kommt. Unser Idealist muss sich dann vorwerfen lassen, dass auch die umweltschonend gebraute “Öko-Krone”,  auch der biodynamische Kaffee, der “unter Berücksichtigung der natürlichen Konstellationen des Kosmos” angebaut, gepflückt, gemahlen, verpackt und getrunken wird, auch die nicht weniger kosmosschonenden Gummibärchen und der “naturtrübe Bio-Sauerkrautsaft” nicht mit Pferdekutsche und Segelschiff aus Mexiko, Indien, Holland und Deutschland herangeschafft werden, sondern per Containerschiffen und Lastwagen, im besten Fall ein paar Kilometer per Eisenbahn.

Öko, das ist auch ein Egotrip, bei dem die eigene Gesundheit vielfach höhere Priorität genießt als die unserer Umwelt. Auch in die Öko-Ferien fliegt man, auch der Agroturismo mit dem Öko-Frühstück wird im Mietauto angefahren.

Andererseits muss unser Idealist alle Konsequenzen einer anti-ökologischen Gesellschaft schlucken. Dafür darf er gelegentlich wohl auch ihre Annehmlichkeiten genießen.

 

Mallorca Zeitung 2002