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Mediterrane Briefe - 3

Sowas Verrücktes: Ein schwarzes Auto

September 2007

Vor einem Vierteljahrhundert besuchte ich einen Freund in Kapstadt. An einem der ersten Tage meines Aufenthaltes schlug er vor, eine Bekannte zu besuchen. Ich rieb mir die Hände und sagte: Klar, besuchen wir sie. Wir setzten uns in sein Auto und fuhren los. Unterwegs gestand er mir wie nebenbei, dass er nur ungefähr wüsste, wo sie wohnte. Als ich ihn fragte, wie wir das Mädchen denn finden sollten, lachte er zunächst eine Minute bis zur sechzigsten Sekunde herzhaft durch. Offenbar hatte ich einen furchtbar drolligen Aspekt dieser Angelegenheit angesprochen. Nachdem mein Freund sich endlich gefangen und die Lachtränen aus dem Gesicht gewischt hatte, sagte er: Die ist sehr einfach zu finden. Sie hat ein schwarzes Auto.

In Erwartung einer Megapointe hatte sich mein ganzer Körper zu einem launigen Bruhaha bereit gemacht, doch ach, ich verstand den Gag nicht und der bereits zum Lachen geöffnete Mund blieb einfach so.

Sie ist, erklärte darauf mein Freund – und sein zuckender Bauch verriet nachhaltige Belustigung – die einzige Verrückte weit und breit, die in einem derart heißen Klima ein schwarzes Auto fährt. Sobald wir also ein solches geparkt sehen, klopfen wir an die Tür des nächsten Hauses und dort wohnt sie dann wahrscheinlich.

Nun ist Kapstadt nicht eben klein, doch es funktionierte. Auf einem Parkplatz zwischen mehreren Wohnblöcken sichteten wir das schwarze Auto und bereits der dritte Passant, den wir fragten, wies uns zur richtigen Tür. Mein Freund, der mir einiges an Lebenserfahrung in heißem Klima voraus hatte, erklärte mir, dass sich dunkle Autos unter der Sonnenbestrahlung auf unerträgliche Weise aufheizen würden. Und er gluckste und sagte: Ist schon eine verrückte Kuh. Und wegen ihres schwarzen Autos ist sie im ganzen Viertel bekannt.

An diese Anekdote aus meiner milden Jugend denke ich immer dann, wenn ich auf Mallorca all die elegant dunklen Karossen sehe, kein Ausdruck von Originalität, sondern des Fortschritts, sprich: Klimaanlage.

Ich habe mehrmals versucht, ein paar pfiffige Sätze zum Thema Sonneneinstrahlung, Innentemperatur, Energiesparen durch Farbwahl beim Auto und die Priorität des Coolseins über die Umwelt zu komponieren, aber beim Durchlesen kam ich vor lauter déjà lu (schon mal gelesen) aus dem Gähnen nicht raus, tut mir leid, lieber Planet, und überlasse somit die weiteren Gedankengänge dem Leser.

Nur eines: Wenn du heute von einer Adresse auf Mallorca nur weißt, dass der Bewohner ein schwarzes Auto fährt, dann wünsche ich viel Glück bei der Suche.