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Ein Irrer, Krimineller und Lügner ist die namenlose Hauptfigur dieses Kriminalromans, der konsequenterweise in einer Irrenheilanstalt beginnt. Wie es Eduardo Mendoza (“Die Stadt der Wunder”) binnen weniger Leseminuten gelingt, das Publikum für diese fragwürdige Figur einzunehmen, sollte man sich nicht entgehen lassen. Dabei fällt auf, wie häufig Literatur und Film uns Personen mit kriminellem Vorleben als Helden vorsetzen, die dann – auf offener Bühne sozusagen – derart moralisch handeln, dass wir uns alle mitsamt schämen. Kollektives Wunschdenken? Aber das nur nebenbei. Jedenfalls fällt es schwer, Mendozas Kriminalkomödie zur Seite zu legen, bevor das “Geheimnnis der verhexten Krypta” enthüllt ist.

Mendoza trägt dick auf, seiner ist ein Schelmenroman, der, wäre er weniger brilliant und geistreich geschrieben, schon beim Anlesen auseinanderfallen würde. Der Schauplatz Barcelona ähnelt der verrückten Szenerie in seiner “Stadt der Wunder”, bevölkert von Bösewichten, korrupten Polizisten, Bürgern ohne Moral und Prostituierten ohne Reiz, es ist eine Reise in die Niederungen des Abschaums, der Unterwelt, des Elends. Warum lacht man sich dann beim Lesen kaputt? Zur Ergründung dieses Rätsels sei dringend geraten.

 

Autor: Eduardo Mendoza

Verlag: suhrkamp

Preis: 8,50 €

 

Mallorca Zeitung 2002