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Als “Noah Gordon Frankreichs” bejubelt ihn der Klappentext, und vielversprechend lässt Gilbert Sinoué seinen Historienroman beginnen: Ein Rabbi, ein Scheich und einMönch durchwandern das Spanien zur Zeit der Inquisition auf der Suche nach einem blauen Stein, der Antwort auf die ewigen Fragen der Menschheit gibt.

Aber die Enttäuschung ist vorprogrammiert. Je großartiger die Prämisse eines Romans, umso schwieriger sind die Erwartungen des Lesers zu erfüllen. Erschwerend kommt hinzu, dass zwischen dem einigermaßen interessanten Anfang und dem dramatisch sein wollenden Ende – wer ist nicht an den Antworten auf die ewigen Fragen der Menschheit interessiert? – eine Art Rätselrally des Altertums abläuft, in deren Rahmen Sinoué sein brav angepauktes Wissen über die drei großenmonotheistischen Weltreligionen und das Spanien des 16. Jahrhunderts ablädt.Vergeblich würzt der Autor diese Aneinanderreihung informationsberstenderDialoge mit einem Komplott, der Funke will nicht überspringen, zumal auch dieBotschaft allzu simpel und offensichtlich ist: Vertragt euch, Muslime, Judenund Christen!

Das ist nettgemeint und sehr edel, aber keine Entschuldigung für Langweilerei. Lieber würdeman was anderes lesen. Noah Gordon zum Beispiel.

 

Autor: GilbertSinoué

Verlag: Knaur

Preis: 16,90DM

 

MallorcaZeitung 2001