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Einer der schönsten Sätze dieses Romans beschreibt den Schatten, der über dem Leben des Protagonisten liegt: “Argentinien reißt eine ganze Generation aus der Welt, wie eine Verrückte sich die Haare ausreißt”. Die Rede ist von den Jahren der Militärdiktatur in einem Land, dessen aktuelles Wirtschaftschaos die Erinnerung an tausende junge Aktivisten, die in Kasernen gefoltert und aus Flugzeugen ins Meer geworfen wurden, zu verdrängen droht.

Erri de Lucas Roman begleitet einen Gärtner in Italien, der sich als junger Mann in eine Argentinierin verliebt, ihr in deren Heimat folgt und dort Verlust, Grauen, Kampf und Flucht erlebt. Jahrzehnte später bietet sich ein Lebenspanorama von nahezu therapeutischem Charakter, die Natur als Heilstätte, das einfache Gärtnerleben als Medizin, ein gebrochener Mann, der trotz allem ans Glück glauben will.

De Luca schreibt ein dichtes Stakkato voller feinsinniger Beobachtungen. Er verwendet eine radikale Sprache, zerlegt den Text in Momente und Gedanken, aus denen sich eine Geschichte zusammenfügt wie ein Riesenpuzzle. Es ist eine dramatische und spannende Geschichte, deren Qualität im Reduzieren des großen Menschheitsschmerzes auf den kleinen, persönlichen Menschenschmerz liegt.

 

Autor: Erri de Luca

Verlag: Rowohlt

Preis:

 

Mallorca Zeitung 2002