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Max Aub ist selbst ein Roman: Geboren 1903 in Paris, Sohn eines Deutschen und einer Französin, aufgewachsen in Spanien, im 2. Weltkrieg interniert in Frankreich und Algerien und ab 1945 im mexikanischen Exil. Je mehr man über die Biographie dieses Mannes weiß, umso mehr versteht man seine Manie, diesen Roman mit unzähligen Abzweigungen, Nebenhandlungen und Nebenbiographien zu gliedern, die wie Zuflüsse Material in den Haupstrom tragen. “Die besten Absichten” ist eine tragikkomische Geschichte, deren Prämisse lautet: Anstand macht sich nicht bezahlt. Aub ist grausam mit dem Leser, oft weckt er Hoffnung auf Erlösung, auf Befreiung, auf ein Happy End. Seine Geschichte vom guten Agustín, der durch eine Affäre seines Vaters aus der Lebensbahn geworfen wird, ist von den besten Absichten des Protagonisten und einer Fülle von Details geprägt, die weniger zum Verständnis der Handlung als dem des Aubschen Weltbildes beitragen. Trockener Humor, schnörkellose Schreibe und das Gefühl, am Erfahrungsschatz eines Mannes mitzunaschen, der viele Schlüsselmomente des 20. Jahrhunderts erlebt und manche mit geprägt hat – als Kulturattaché der Republik beauftragte er Picasso mit dem Gemälde “Guernica” -, machen die pessimistische Botschaft erträglich.

 

Autor: Max Aub

Verlag: Piper

Preis: 16,90 DM

 

Mallorca Zeitung 2001