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So spritzig können Autoren aus der muslimischen Welt schreiben, wenn sie den Maulkorb ihrer Gesellschaft abgestreift haben, ohne sich von der Kultur loszusagen. Obwohl es gerade zum Thema Geschlechtsverkehr auch Abhandlungen muslimischer Kleriker gibt, kann man davon ausgehen, dass Ben Jelloun dieses Buch anders geschrieben hätte, würde er nicht seit 1971 in Europa leben. Das wird vor allem an der ersten Kurzgeschichte deutlich, in der Tahar Ben Jalloun die unfassbare Dekadenz der arabischen Ölmillionäre anprangert und den geheimen Hass dokumentiert, den man in Ländern wie Marokko gegen sie hegt.

“Die erste Liebe …” ist eine gepfefferte und handfest erotische Geschichtensammlung. Der Marokkaner stellt seine Beobachtungslust und Erzählkunst unter Beweis, mit denen er speziell in einer Satire über eine Feriensiedlung namens “Mirage” brilliert. Ben Jalloun zieht alle Register. Er ist humorvoll und tragisch, philosophisch und spannend, westlich konkret und arabisch geheimnisvoll. Schwergängig wird die Lektüre, wenn der auch im deutschen Sprachraum sehr bekannte Schriftsteller (“Papa, was ist ein Fremder?”) Ausflüge ins poetische Essay unternimmt und mit ein wenig Handlung zur Kurzgeschichte erhebt.

 

Autor: Tahar Ben Jelloun

Verlag: Wagenbach

Preis: 8,90 Euros (D)

 

Mallorca Zeitung 2002