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Tante Robbie lebt am Deich und züchtet Rosen. Sowas kann auf Dauer nicht gutgehen, deshalb lässt Autorin Elke Loewe die gute Frau gleich auf den ersten Seiten dahinscheiden und treibt die Romanheldin Valerie – Nichte der Rosenzüchterin, junge Großstadtfrau, verträumt, illusionslos, modern, altmodisch, kurz: widersprüchlich wie die Jugend eben ist – durch eine Geschichte, die trotz norddeutschen Trübsinns und trotz der Abgründe, die in dem idyllischen Dorf Augustenfleth lauern, leicht dahinfliegt, manchmal berauschend wie wohl eine Rosenbowle ist (was ich mangels einschlägiger Trinkerfahrung nur vermuten kann).

Elke Loewe ist Schreibprofi, das merkt man. Sie verfasste TV-Drehbücher, u.a. jenes für den einzigen plattdeutschen “Tatort”, und obwohl sie auch fürs Sandmännchen geschrieben hat, löst die “Rosenbowle” keinen Gähnalarm aus. Hier vermischen sich erzählerische Routine und poetische Spontaneität. Verdächtige Nachbarn, falsche Spuren, eine Vergangenheit, über die niemand sprechen will, sehr geheimnisvoll und schön geschrieben, sowie, das nebenbei, eine der pfiffigsten Grabreden der Krimiliteratur. Und wie Loewe den Ton ihrer Figuren trifft, verrät Meisterschaft. Ich hoffe auf mehr Pflanzen aus ihrem Garten.

 

Autor: Elke Loewe

Verlag: rowohlt

Preis: 8,90 € (D)

 

Mallorca Zeitung 2002