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Auf Mallorca verschwinden derzeit Dutzende von Unschuldigen. Die Täter sind deutsche Krimi-Autoren, die auf der Suche nach einem Vorwand sind, um ihre Helden ein Mallorca-Abenteuer erleben zu lassen. So schickt auch Christoph Gottwald sein Alter Ego Manuel Blum auf die Suche nach einer Verschwundenen. Es ist nicht das einzige Klischee: Der vom Leben gezeichnete Romanheld sieht sich bald von gutaussehenden Mädchen sexuell bedrängt (ach, der Arme).

Damit – und einem leicht ins Kitschige gleitenden Finale – ist aber auch schon alles erwähnt, was man an “Endstation Palma” aussetzen könnte, wäre der Roman nicht verflucht gut geschrieben. Es ist eines dieser Bücher, die man sich in einer Nacht reinzieht. Die Figuren stimmen, der schnoddrige Humor hat Niveau und die Handlung hypnotisiert bis zum Schluss. Natürlich kann sich Gottwald ein paar Reiseführer-Hinweise nicht verkneifen, aber er tut es mit Stil und dosiert sorgfältig.

Ein kleines Glanzstück im Angebot der gewaltig boomenden (und qualitativ oft krachenden) Mallorca-Literatur deutscher Herkunft.

 

Autor: Christoph Gottwald

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Preis: 16,90 DM

 

Mallorca Zeitung 2000