Home > Buchrezensionen > Kein Urlaub auf Mallorca > Text

Kann mir jemand mal erklären, warum noch im verrücktesten Sauf-, Rauf- und Billigurlaubsroman über Mallorca Sätze auftauchen wie: “Der Grundstein dieses wunderbaren Bauwerkes im Stile provenzalischer Gotik mit lombardischen Einflüssen wurde am 31. Dezember 1229 gelegt …”? Hat sich im Verlagscomputer vielleicht das Manuskript eines kulturellen Mallorcaführers mit dem Roman von Stefan Thode vermischt? Ein neuartiger Virus? Aber man soll sich von kulturellen Einschüben wie dem erwähnten nicht erschrecken lassen: “Kein Urlaub auf Mallorca” ist zum allergrößten Teil eine intelligente Blödelei und eine gelungene Satire auf das Phänomen Mallorca aus der Perspektive Magaluf-Arenal, und der Autor weiß, wovon er schreibt: Auf dem Klappentext gesteht er schamlos sechs Mallorca-Urlaube.

Im Mittelpunkt der Handlung steht ein merkwürdiges Trio – Prolo-Mann, Prolo-Frau und gebildeter Student -, die der Zufall ins selbe heruntergekommene Hostal in Magaluf verschlägt. Autor Thode kennt kein Erbarmen, nicht mit deutschen Billigurlaubern, nicht mit englischen Hooligans, nicht mit der Tourismusindustrie, nicht mit Mallorca. Dass er die Insel trotzdem liebt, hat er zwischen den Zeilen gut versteckt. Ein Buch, das Lesespaß bereitet.

 

Autor: Stefan Thode

Verlag: Rake Verlag

Preis: 8,90 Euros

 

Mallorca Zeitung 2002