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Feridun Zaimoglu hat natürlich einen Riesenvorteil: Als geborener Türke darf er sich über Ausländer lustigmachen, ohne dass die aufständischen Anständigen ihre Hakenkreuzwarnsirene in Gang setzen. Und sein Vorteil als Autor ist, dass er Durchblick in der Türkenszene hat und unglaublich gut schreibt. Auf Deutsch. Womit wir zum Vorteil für den Leser kommen, denn wer hat die Subkultur der Ausländer in Deutschland schon mal wirklich durch deren Brille beobachtet? Zaimoglu, brillianter Gegenwartsliterat, lädt zum Trip ins mentale Türkenviertel, und er tut es auf originelle Weise. “Kopf und Kragen” (Untertitel: “Kanak-Kultur-Kompendium”) beginnt zwar mit einem Essay, das trotz des schwergängigen Themas runtergeht wie guter Wein, leitet aber zu einer anderen Literaturform über, nämlich der des erfundenen Interviews. Keine Frage, Zaimoglu bringt dort alles unter, was ihn und seine Landsleute – die importierten und die tief verwurzelten – bewegt, und teilt so gerecht aus, wie es ihm möglich ist.

Der Kolumnist für “ZEITmagazin” und die “Süddeutsche Zeitung” jongliert kühn zwischen den Sphären und erlegt sich keine Zwänge auf. Was zählt, sind Qualität und jene Wahrhaftigkeit, die gerade beim Erfundenen so wichtig ist.

 

Autor: Feridun Zaimoglu

Verlag: S. Fischer

Preis: 12,00 € (D)

 

Mallorca Zeitung 2002