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Den deutschen Urlaubermassen reisen jetzt auch Schriftsteller hinterher, welche die Spezies “Tourist” in ihren natürlichen Biotopen (Flughäfen, Ferienanlagen im Süden, Exkursionen) beobachten und dann begleitende Literatur herstellen, damit die Romanschauplätze quasi mitreisen. Sibylle Keller produziert solche Romane mit großer Routine und nicht ohne Witz. Setzen wir also voraus, dass es sich um leichte Unterhaltungsliteratur handelt und dass wir vor Tiefgang sicher sind, denn Urlauber – verallgemeinern wir halt mal – fühlen sich in seichten Badewässern am wohlsten. In “Last Minute Lanzarote” schickt die Autorin eine “hinreissende Single-Urlauberin” (ahnen wir schon, was da kommt?) auf die Kanareninsel und gibt ihr zwecks Kick einen geheimnisvollen Auftrag mit. Da humpelt die Story leider, denn wer in der Informatik über den Level “Computer ans Stromnetz anschließen und einschalten” hinausgekommen ist, weiß, dass ein wichtiges Dokument nicht aus dem Verkehr gezogten ist, wenn man nur den Laptop klaut. Die hinreissende Single-Urlauberin weiß das nicht, aber wenigstens ist ihr blödsinniges Spionageabenteuer unterhaltsam und originell geschrieben, auch wenn der Lektor und die Logik häufiger hätten einschreiten sollen.

 

Autor: Sibylle Keller

Verlag: Bastei Lübbe

Preis: 7,62 Euros

 

Mallorca Zeitung 2002