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Heiraten ist nicht die Kurzform für „Heiteres Beruferaten“, und Traualtar hat weder etwas mit Wagemut noch mit Trauer zu tun (es sei denn, es hat doch etwas damit zu tun).

Egal – Anlaß für diese kurze Einführung in die Heiratskunde für Damen ist eine Meldung des Statistischen Zentralamtes, wonach sich immer mehr Vorarlbergerinnen vor dem Traualtar vom Backfisch in den taufrischen Traufisch verwandeln.

Es gibt drei Arten von Gatten: die guten, die schlechten und die schluten. Während rund 10 Prozent zu den guten und schlechten gehören, sind 90 Prozent schlut und entwickeln sich erst nach mehrjähriger Gebrauchszeit zu einem guten oder schlechten, die Hersteller übernehmen keinerlei Garantie.

Wissenschaftlich sind die Gatten-Gattungen längst eingeteilt. Da gibt es den Verlotterten – den Bräutigammler; den Verschlossenen – den Gattergatten; den Gesprächigen – Schnattergatte genannt; den Spaßigen – Flattergatte. Dann den Traumgatten, der vor allem in Träumen (und meist nur dort) herumgespenstert. Und schließlich den Supermann (auch Mannomann genannt), der sich durch erhöhte Sprintfreudigkeit in der Nähe von Standesämtern auszeichnet.

Im Gegensatz zum Normal- und Dieselmann ist der Supergatte absolut vibrationsfrei und so wartungsarm, daß man oft vergeblich auf ihn wartet.

Dann gibt es noch die Naturenthusiasten unter den Gatten, die sogenannten Bräutegemsen. Alsbald locken Bergeshöhn und Bachbett mehr als Höhepunkt und Ehebett, und wenn die Naturbraut empört ausruft: „Das ist der Gipfel!“ der Bräutegemserich fröhlich jauchzet: „Heissa, nichts wie hin!“

Schlimm sind auch die Büromanen – verheiratet mit ihrer Arbeit, verschwistert mit dem Auto, entfernt verwandt mit der Frau.

Besonders heimtückisch aber ist das Bräutigam-Modell „Schlafender Vulkan“ – auf Dauer nicht zum Haushalten und das reinste Ehebrechmittel.

Fazit: Vor unsereinem sei gewarnt.

 

Glosse in der Neuen Vorarlberger Tageszeitung, 31. Januar 1986