Home > Buchrezensionen > Tangogeschichten > Text

Der Tango ist getanzte Melancholie mit einer Prise Erotik, ist eine Methode, die Traurigkeiten des Lebens mit einem Maximum an Würde auszudrücken, vielleicht sogar eine Brücke zwischen Verzweiflung und Lebenslust. In Argentinien wird heute wohl besonders viel Tango getanzt, ein Glück, dass sie diese Medizin haben. Katrin Dorn, studierte Psychologin und fähige Erzählerin, lotet mit ihren “Tangogeschichten” die Bandbreite der Gefühle aus, die zu diesem Tanz, dieser Musik passen, und sie tut es auf unaufdringlich erzählerische Weise, ohne Psycho-Gelaber, Manierismen und Pathos. Manchmal sind es banale kleine Geschichten von Begegnungen, in denen sich das erotische Tango-Wechselspiel zwischen Annähern und Entfernen widerspiegelt, manchmal aber ist der Tango nur Kulisse für Konflikte oder Erinnerungen, die ein Leben in den Abgrund zerren.

Die 39-jährige Autorin, das spürt man von der ersten Zeile an, hat ihr Thema gründlich studiert, das Detailwissen dann im Hinterkopf verstaut und holt es nur dann hervor, wenn die Geschichte es erfordert. Der Tango als Literatur, das geht nur mit einer reifen Erzählerin gut, die weiß, wann sie zurücknehmen muss und wann sie aufdrehen darf. Bei diesem Buch hört man Musik.

 

Autor: Katrin Dorn

Verlag: dtv

Preis: 14 € (D)

 

Mallorca Zeitung 2002