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Inseltheater: Hier lauert das Paradies! Eine Bruchlandung auf Mallorca
Roman
Vitolibro, 2014
293 Seiten
978 - 3-86940 - 206-2

Erhältlich u.a. bei Amazon.

Inhalt:

Wohin ist der brave Student Edgar verschwunden? Ein Freund der Familie soll es herausfinden: Widerwillig spürt der weltgewandte Fotoreporter Oskar auf Mallorca dem Ausreißer nach und sieht sich prompt in ein Schlamassel verwickelt, das auch sein eigenes Leben auf den Kopf stellt. Dabei bekommt er es mit Prachtexemplaren der Inselfauna zu tun, von knorrigen Einheimischen bis zu durchgeknallten Mallorca-Deutschen.

Hintergrund:

Inspiriert wurde ich u.a. von Gesprächen und Begegnungen in der deutschen Buchhandlung Dialog in Palma de Mallorca, in der 1996-1997 als Verkäufer arbeitete, und speziell von den Widersprüchen zwischen Traum und Realität eines „Lebens im Paradies“. Dieses Grundthema ist in allen drei Mallorca-Romanen präsent.

Leseprobe „Mallorca, Feng-Shui und zwei halbe Orangen“

 

„Mein Name ist Fritz Steigner“, sagte Fritz. „Aber nennen Sie mich ruhig Jäti.“

„Yeti?“ fragte Oskar.

„Nein, Jäääti. Wie Unkraut. Meine Frau nennt mich so.“

„Ihre Frau nennt Sie ... Unkraut?“

„Nein: Jäti. Ich bin begeisterter Gärtner. Haben Sie auch einen Garten?“

„Ja“, sagte Oskar, selbst ein wenig erstaunt darüber.

Daheim in Maringen, rund um sein kleines, altes Haus, wucherte in der Tat ein Garten, den er ganz einem natürlichen Gleichgewicht zwischen Kleintieren, Unkraut und Küchenabfällen überlassen hatte. Erst vor kurzem hatte ihm jemand gratuliert, es sei das interessanteste Biotop der Stadt.

„Phantastische Regenwürmer gibt’s hier auf der Insel“, sagte Jäti und zeichnete eine junge Python in die Luft. „Da brauchen Sie nicht mal umzugraben. Wie war Ihr Name, sagten Sie?“

„Oskar Tschann.“

„Ja, richtig. Oskar. Hrm. Hören Sie mal. Nur ein kleiner Ratschlag unter Gärtnern“ – er senkte die Stimme: „Wer zu früh pflanzt, dem welkt der Stengel. Hrm. Sie wissen, was ich meine.“

Oskar runzelte die Stirn. „Nein.“

„Na ja“, er machte eine unauffällige Kopfbewegung Richtung Zarfou. „Madeleine hat gerade ihren Mann verloren. Gehen Sie nicht so ran. Lassen Sie trauern. Warten Sie aufs Frühjahr.“

 

Jäti und seine Frau Greti waren die ersten Gäste, die zu Frau Zarfous Diner erschienen, er ein gemütlicher Brummer mit weißem Haar und dem permanent strahlenden, kraftvoll entspannten Gesichtsausdruck, mit dem Mittelmeerdeutsche ihre unbändige Freude darüber zum Ausdruck bringen, daß sie nicht mehr in Deutschland wohnen, ha, all die armen Schweine dort, was?, und wir hier, mit tonnenweise Sonne und Meer und Olivenöl; sie, Greti, eine kleine, brünette Schweigerin, deren Blick ständig auf Frau Zarfou gehaftet war, um zu dem, was die Gastgeberin sagte, ernst zu nicken. „Ich mache gerade eine Zarfou-Analyse“, vertraute Greti Oskar an. „Man bekommt einen ganz anderen Blick für die Dinge.“

Oskar nickte höflich und fragte sich, wie er das Gespräch auf Edgar lenken konnte. „Diesen anderen Blick bekommt wohl jeder, der hierher kommt.“ Er machte einen Versuch. „Da gibt es viele junge Aussteiger, die sich auf Mallorca niederlassen und ...“

Doch Gretis Aufmerksamkeit galt schon wieder Zarfou, die gerade Jätis Augenbewegungen analysierte, und sie nickte ernst.

Jäti und Greti wohnten in Andratx. „Das spricht sich ‚Andratsch’, wie ‚Quatsch’ oder ‚Kladderadatsch’, klärte Jäti ihn auf und blies ihm ein nach Martini riechendes „Hahahahaha“ ins Gesicht. Als Oskar es endlich schaffte, die Rede auf junge deutsche Aussteigerpärchen zu bringen, meinte er, das sei wohl nicht die richtige Ecke. Dann legte Jäti seine schwere, kräftige Gärtnerhand auf Oskars mäßig kräftige Fotografenschulter und brummte, da gebe es prinzipiell zwei Möglichkeiten: „Entweder treibt sich Edgar mittlerweile in der jungen, deutschen Subkultur herum, hat ein kleines Zimmer im Arenal gemietet oder in Calvià, und jobbt in einer Sprachschule als Deutschprofessor ...“

Oskar schüttelte den Kopf. „Edgar ist kein Deutschprofessor.“

Jäti blickte ihn irgendwie mitleidvoll an. „Sprachprofessor wird man hier, wenn man nur akzentfrei ‚Guten Tag’ sagen kann.“

Leseprobe