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Inselkoller – Nase voll vom Paradies? Ein Fehlstart auf Mallorca
Roman
Vitolibro, 2014
252 Seiten
978-3-86940-208-6

Erhältlich u.a. bei Amazon.

Inhalt:

Oskar hat alles: Mit einer Traumfrau lebt er im Ferienparadies Mallorca. Doch bald bröckelt die Idylle: Das „romantische Landleben“ erweist sich als Sackgasse, der wohlhabende Ex der Gefährtin entdeckt eine mittelalterliche Wunderwaffe gegen seinen Widersacher, und einige sonderbare Mallorca-Deutsche veranstalten eine Zerreißprobe mit Oskars Nervenkostüm. Unerwartet kommt Beistand von einer kühlen Insulanerin ...

Hintergrund:

Die Romanfigur Oskar Tschann macht im ersten Roman „Inseltheater“ die Wandlung vom Mallorca-Hasser zum Mallorca-Liebhaber durch. Im zweiten Roman fühlt das Schicksal dieser Mallorca-Liebe auf den Zahn. Sie ist in Wahrheit oberflächlich und egoistisch. Erst die Begegnung und Konfrontation mit einer Mallorquinerin stellt klar, ob Oskar für diese Insel geschaffen ist, oder ob er sich – wie so viele – in einem falschen Paradies eingenistet hat.

Leseprobe

„Oskar!“ rief Jürgen und breitete die Arme aus. „Wir haben uns große Sorgen gemacht!“

„Ich habe doch angerufen“, warf Oskar ein.

„Da war es schon halb drei. Oskar!“ Jürgen trat auf ihn zu und umarmte ihn. „Wir waren kurz davor, die Polizei zu rufen. Schön, Sie wiederzusehen.“

Jürgen machte auf mediterrane Tuchfühlung. Südländer umarmen einander, küssen einander, haben keine Scheu vor Körperkontakt, also tun gewisse integrationswütige Deutsche es ihnen nach, ohne vorher beobachtet zu haben, wann man diese Full-Contact-Begrüßungen nicht vollzieht. Auch Jürgen hatte die entsprechenden Lektionen übersprungen und drückte fast jeden an sich, der ihm im Weg stand.

Zögernd löste sich Oskar aus Jürgens Umklammerung und fragte: „Dürfte ich rein?“

„Heleeene!“ orgelte Jürgen. „Rat mal, wer da ist!“

Von irgendwo tönte ein „Komme schooon.“

Oskar hatte auf einmal das Gefühl, in eine schlechte Fernsehserie geraten zu sein. Helen stürmte ums Eck, verharrte genau dort, wo der Regisseur ein Kreidekreuz auf den Boden gemalt hatte, zog einen Mund und sagte: „Na endlich, du Herumstreuner!“

„Dein mieser Plan“, sagte Oskar und lächelte. Und was für eine miese Inszenierung, hätte er gerne hinzugesetzt, aber letzthin beherrschte er sich und sagte nur noch die Hälfte dessen, was ihm so einfiel.

„Die Telefonnummer stimme fast genau“, sagte Helene und blinzelte. „Aber jemand hat sie mir auf Spanisch durchgegeben, und da ist wohl der Irrtum passiert.“

„Jürgen hat mich vorhin umarmt“, sagte Oksar mit Absicht laut, damit der Nachbar sich unbehaglich fühlte. „Willst du auch mal?“

„Ach, blöder Hund“, sagte Helene und sank in seine Arme.

Sie drückten einander und tasteten einander ab, als wollten sie sehen, ob sie noch komplett waren. „Jürgen, lieber Freund“, rief Oskar. „Müssen Sie nicht den BH-Wert Ihres Pools überprüfen?“

„Das heißt PH-Wert, lieber Freund“, schnurrte Jürgen.

„Der wird ganz anders gemessen“, beharrte Oskar und grinste Helene an.

„Na, dann ...“, sagte Jürgen. Er schien verstanden zu haben, lungerte aber noch ein Weilchen herum, sodass Oskar mit seinem Kniefall warten musste. Aber dann hörte er einen Landrover anspringen und fühlte, wie sich Frieden breitmachte in seiner Seele, seiner Finca, seiner Insel des Glücks. Gemeinsam schritten sie in die Wohn-Ess-Biblioküche mit dem Panoramafenster mit Blick auf den Gemüse- und Kräutergarten, und Oskar ließ sich endlich wie geplant auf die Knie sinken, umfasste Helenes Hüften und schmiegte seine Wange an ihren Unterleib.

„Helene“, sagte er. „Wer zum Teufel ist der Kerl beim Minzebeet?“

Im Gemüsegarten stand ein Mann in Safarigrün und betrachtete die Liebesszene mit ausdruckslosem Gesicht, als habe er für die Show bezahlt.

„Kannst du dich nicht an ihn erinnern?“ fragte Helene sanft, doch in ihrer Stimme schwang Nervosität mit.

Oskar erhob sich und winkte dem Unbekannten zu. Der erwiderte den Gruß, ging in die Hocke und starrte eine Pflanze an, als wollte er sie hypnotisieren.

„Nein“, sagte Oskar. „Das ist aber nicht dieser ...“

„Warum nicht?“ warf Helene ein und trat einen Schritt zurück. „Dass es ausgerechnet heute sein musste, tut mir Leid, aber ich habe keinen anderen Termin bekommen. Er ist sehr gefragt, weißt du.“

„Unglaublich“, murmelte Oskar.

Friedmund Köller, Partytiger und Pflanzenpsychologe, war im Begriff, ein Beet mi trauriger Minze aufzuheitern.

„Das kann nicht wahr sein.“

„Hättest du es lieber mit Chemie probiert?“ sagte Helene. „Ich fand, es war einen Versuch wert, bevor wir auf konventionelle Methoden zurückgreifen. Du bist doch auch gegen koventionelle Methoden.“

„Helene, ich will nicht wissen, wie viel dieser düngende Blick kostet.“ Oskar ließ die Hände sinken. Schlagartig war ihm zum Weinen zu Mute. „Die Minze braucht Schatten, Liebes, das habe ich dir tausendmal gesagt. Und Schatten kommt billiger, wenn man eine schattenspendende Pflanze setzt oder ein Strohdach baut, und ganz extrem teuer, wenn man einen Mann dafür bezahlt, gelegentlich seinen Schatten auf das Beet zu werfen.“

Helene wandte sich ab. Friedmund Köller schaute wieder herein, er hatte einen merkwürdigen Ausdruck im Gesicht. War er etwa von der Minze hypnotisiert worden?

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