Home > Bücher > Wo zum Kuckuck sind die Palmen? – 101 Anekdoten aus Mallorca

Wo zum Kuckuck sind die Palmen? – 101 Anekdoten aus Mallorca
Kurzgeschichten
Fabylon, 2017
232
978-3943570854

Erhältlich im deutschen Buchhandel sowie bei Plattformen wie amazon.

 

In 15 Kapiteln werden verrückte, amüsante und interessante Geschichten erzählt, die sich auf der Insel ereignet haben oder in denen Mallorca oder Malloorquiner eine wichtige Rolle spielen.

Beispiele:
Anekdote 20 erzählt, warum sich der berühmteste Komponist, der je auf Mallorca tätig war, auf dieser Sonneninsel ausgerechnet vom Regen zu einem Stück inspirieren ließ.
Anekdote 22 schildert, wie Agatha Christie bei ihrer Ankunft auf Mallorca zum Opfer einer peinlichen Verwechslung wurde.
Hauptfigur von Anekdote 37 ist eine mallorquinische Athletin, die vor mehr als 100 Jahren in einem aufsehenerregenden Wettkampf einen Mann besiegte.
Anekdote 39 erklärt, warum der damalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt eine Neujahrsansprache auf Mallorca aufzeichnen ließ.
In Anekdote 42 begleiten wir die Tochter eines US-Präsidenten auf einer Rundfahrt durch Palmas Rotlichtviertel.
Anekdote 45 enthüllt, wie das Thema Ballermann zu Chaos in deutschen Kinos und mehr Ordnung an der Playa de Palma führte.
Anekdote 49 verblüfft mit der Geschichte über einen mallorquinischen Gelehrten, der die Beatles zu einem Lied inspirierte.
In Anekdote 53 wird ein Pianist beinahe von einem Zug überrollt – während eines Konzertes!
Anekdote 55 erinnert an den einzigen Mallorca-Themenpark, den es je gegeben hat – nicht auf Mallorca, sondern im fernen Japan.
In Anekdote 65 legt eine spezialisierte Bande im Nobelviertel Son Vida einen Coup hin, der sogar der spanischen Polizei Respekt abnötigt.
In Anekdote 68 erfährt man, wie eine Klobürste in einem Herrenhaus in Palma zum spanienweiten Symbol der Korruption wurde.
In Anekdote 72 wird erklärt, wie der karthagische Feldherr Hannibal zum Ehrenbürger von Palma wurde.
Und in Anekdote 97 wird es gespenstisch: Ein gewisser Will Kauffmann entdeckt, dass er ein verwunschenes Gemäuer gekauft hat – das heute als Kulturfinca bekannte Landhotel Son Bauló.

Seit über 20 Jahren sammle ich Mallorca-Informationen unterschiedlichster Art, die ich teilweise in meiner Tätigkeit im Journalismus und in der Werbebranche verwendet habe. Als ich die Idee zu einem Anekdotenbuch hatte, stellte ich zu meiner Verblüffung fest, dass es so etwas auf dem Markt noch nicht gab. Am Mangel an Material kann es nicht liegen. Also beschloss ich, die kuriosesten Anekdoten zu einer Sammlung zu bündeln.

Leseprobe

Will Kauffmann ist im deutschsprachigen Kulturgeschehen der Insel eine nicht wegzudenkende Größe. Auf seiner »Kulturfinca« in Lloret de Vistalegre, einem Dorf in der Inselmitte, veranstaltet er Konzerte, Vorträge, Ausstellungen, Kurse und Workshops. Auch einen Literaturkreis hat er mitgegründet, und das hübsche Anwesen dient zeitweise als Landhotel.
Gekauft hat er die Schmuck-Immobilie 1984 . Die Verkäufer waren 18 Angehörige einer weitverzweigten mallorquinischen Familie, von denen zwei den notariellen Kaufvertrag mit ihren Daumenabdrücken besiegeln mussten, weil sie des Schreibens nicht mächtig waren. Am 24. Dezember desselben Jahres flog Will nach einem Aufenthalt in Deutschland auf die Insel, um in der frisch erworbenen Finca Weihnachten zu feiern.
Schon die nächtliche Anfahrt vom Flughafen mit zwei begleitenden Freunden verlief in einer gespenstischen Atmosphäre: Die Route führte über unbeleuchtete Landstraßen, es regnete in Strömen und wie in einem schlechten Gruselfilm hatte Will dem Taxifahrer die Adresse mit den folgenden Worten mitgeteilt: »Lloret de Vistalegre, direkt gegenüber vom Friedhof.« Im Film hätten nun Blitz und Donner eingesetzt.
Die Finca hieß Son Bauló, und dort warteten weitere Freunde, Hanna und Georg, die eine Woche lang aufgeräumt und einen Raum für den Weihnachtsabend festlich eingerichtet hatten. Es versprach ein romantischer erster Abend im neuen Zuhause zu werden. Will, ein Musikenthusiast und versierter Organist, legte Mozart auf, ein Kaminfeuer knisterte, Kerzen flackerten und ein gutes Essen und mallorquinischer Landwein versetzten die Gesellschaft in wohlige Stimmung.
Draußen hingegen hatte das Gewitter an Stärke gewonnen. Plötzlich wurde die Konversation durch einen Donnerschlag unterbrochen und die Lichter gingen aus. Mit Taschenlampe und Kerzen machten sich die fünf Freunde am Sicherungskasten zu schaffen. So stand er am Ende da, Will Kauffmann, mit einer durchgebrannten Sicherung, am Heiligen Abend in Lloret de Vistalegre, und nirgendwo war eine Ersatzsicherung zu finden. Also marschierte er ins Dorfzentrum. Das war eine schöne Strecke, es goss in Strömen und Will hatte keine Regenkleidung, nicht einmal einen Regenschirm, und trug deshalb seinen schönen, warmen, aber nicht sehr wasserabweisenden Pelzmantel.
Trotz des Datums und der Uhrzeit fand er eine erleuchtete und, wie von außen erkennbar war, gut besuchte Dorfschenke und trat ein. Augenblicklich verstummten alle Gespräche und das gesamte Publikum starrte den Fremden mit dem triefenden Pelzmantel an, der in der Tür stand. Der wiederum fragte sich, wie er nun sein Anliegen vorbringen sollte, denn Spanisch konnte er noch kein Wort. Das stellte sich freilich als das geringste Problem des Abends heraus. Prompt war ein Deutscher gefunden, der dolmetschte, und ebenso prompt ein Elektriker, der – am Weihnachtsabend! – zur Finca fuhr, um die Sicherung einzubauen.
Der Abend schien einem friedlichen Ende zuzugehen und bald zog sich Will in eine direkt unter dem Dach liegende Kammer zurück, wo er trotz des noch immer tobenden Gewitters rasch einschlummerte.
Bis ihn klamme Kälte weckte. Erst allmählich nahm er wahr, dass es nicht nur Kälte war, sondern auch Nässe: Das Zimmer war überschwemmt, durch undichte Stellen im Dach lief das Regenwasser teilweise in Rinnsalen die Wände hinunter. Am Boden stand es knöcheltief, von dort hatte sich Wills herabhängende Decke vollgesogen. Im Pyjama watete Will durchs Zimmer und streifte sich einen weißen Arbeitsoverall über, entschlossen, trotz der Uhrzeit – es war nach Mitternacht – dem Spuk ein Ende zu bereiten, nichtsahnend, dass er genau das Gegenteil erreichen würde, wenn man den Satz wörtlich nimmt.

Leseprobe